Zum Inhalt

Systematische Theologie

Forschende in der Systematischen Theologie sind interessiert am ‚System‘ des christlichen und allgemein des religiösen Glaubens. Das Zentrum dieser systematischen Erforschung der christlichen Glaubenslehre ist die Frage nach der Vernunft des Glaubens: Welche Gründe sprechen für die Rationalität religiöser, näherhin christlicher Überzeugungen, und wie kann man kritischen Einwänden gegen die Vernunft des Glaubens begegnen? Dieses Kerngeschäft der ‚rationalen Glaubensverantwortung‘ ist zugleich eingebettet in gesellschaftliche, historische und soziale Kontexte: Wie verhalten sich Religion und Gesellschaft? Wie kann man theologisch mit der Optionalität von Selbst- und Weltdeutungen umgehen? Wie lassen sich die eigene religiöse Tradition und die säkulare und plurale Gesellschaft in ein Gespräch bringen?

Bitte Bildnachweis einfügen

An der Dortmunder Professur für Systematische Theologie erforschen wir die rationale Verantwortbarkeit des Glaubens unter den Bedingungen postsäkularer Gesellschaften. Wir rekonstruieren kritisch die Bedeutung von Lehr-Traditionen und ihre Folgen. Im Einzelnen widmen wir uns den folgenden Forschungsschwerpunkten:

Wie kann in einer spätmodernen Gesellschaft die Gottesfrage so gestellt werden, dass der christliche Glaube eine rationale Option der Selbst- und Weltdeutung ist? Diese Grundfrage ist die leitende Perspektive der Forschungsarbeiten an der Professur für Systematische Theologie. Sie lässt sich in verschiedene Einzelfragen untergliedern: So erforscht Martin Breul beispielsweise die hermeneutischen Bedingungen einer sinnvollen Rede vom Handeln Gottes in der Welt und analysiert den philosophischen und theologischen Pragmatismus als Denkform einer rationalen Theologie. Paula Schütze nimmt die Fragestellung in den Blick, welche Rolle Metaphern und Analogien in der menschlichen Rede von Gott spielen und bringt diese Frage in ein Gespräch mit Theodor Adornos Theorie des Nicht-Identischen.

 

Ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördertes Forschungsprojekt am Lehrstuhl erforscht die vielfältigen Bezüge von Religion und Evolution. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf dem Gespräch zwischen theologischer und evolutionärer Anthropologie, wie sie exemplarisch von Michael Tomasello betrieben wird. Im Fokus steht in diesem Projekt der Versuch, eine religiöse Selbst- und Weltdeutung mit der Evolutionstheorie ins Gespräch zu bringen. Die Zielperspektive ist dabei, sowohl eine reduktionistisch-evolutionäre Religionskritik, die die Evolutionstheorie als Einwand gegen den Theismus missversteht, als auch eine theologisch problematische, theistische Überformung der Evolutionstheorie zu vermeiden. Als besonders ersprießlich erweist sich dabei die Kategorie der ‚Kollektiven Intentionalität‘, die ein Schlüsselkonzept für die ‚Naturgeschichte‘ der kognitiven und moralischen Vermögen des Menschen in Tomasellos Forschungen ist und die in diesem Forschungsprojekt als Kategorie theologischer Theoriebildung erprobt werden soll.

Das Verhältnis von Religion und Politik ist komplex. Aus einer theologischen und religionsphilosophischen Perspektive stehen verschiedene Fragen im Raum: Welche Rolle und Relevanz haben religiöse Gemeinschaften und Individuen in den weltanschaulich pluralen Gesellschaften des 21. Jahrhunderts? Ist es überhaupt legitim, in pluralen Gesellschaften unter Rückgriff auf die eigene Religion öffentlich zu argumentieren? Was sind die Potenziale einer ‚Neuen Politischen Theologie‘ für die Gegenwart? Welchen Vereinnahmungen des Christentums durch reaktionäre und radikale Kräfte müssen um des Christentums willen dekonstruiert werden? Und welche Auswirkungen hat der digitale Strukturwandel der Öffentlichkeit für die (religions-)politische Kommunikationskultur?

An der Dortmunder Professur erforschen wird die Zusammenhänge von Religion und Politik aus systematisch-theologischer Perspektive und im interdisziplinären Gespräch.

 

Gregor Taxacher: Politische Theologie und Neue Rechte [LINK: www.verlag-pustet.de/shop/item/9783791732879/rechte-normalisierung-und-politische-theologie-kartoniertes-buch]

Die (Systematische) Theologie hat sich über weite Strecken ihrer Tradition anthropozentrisch geriert: Eine solche Theologie hatte stets den Menschen und seine Gottesbeziehung im Blick; alles nichtmenschliche Leben galt innerhalb dieses Paradigmas dann bestenfalls noch als Kulisse für das große Heilsdrama zwischen Gott und Mensch. Im Angesicht des Anthropozäns und der ökologischen Katastrophe werden die Folgen eines solchen, auch theologisch grundierten Anthropozentrismus gleichwohl immer offensichtlicher. Bedarf es also einer grundlegenden Anthropode

zentrierung christlicher Theologie? Und wie kann eine solche Revision gedacht und begründet werden? An der Dortmunder Professur bearbeiten Simone Horstmann und Gregor Taxacher diese Fragen unter der Programmatik einer „Theologie der Tiere“: Damit verbindet sich der Anspruch einer kritischen Relektüre der Tradition ebenso wie die konstruktive Frage nach den Möglichkeiten einer interspeziesfähigen Theologie. Die Dortmunder Forschung beteiligt sich am European Research Network „Transcending Species – Transforming Religion“ (LINK: ts-tr.eu).

Die fachdidaktische Dimension der Systematischen Theologie betrifft zunächst die i.d.R. schulische Vermittlung systematisch-theologischer Themen. Jenseits dieser methodischen (Vermittlungs-)Fragen zielen fachdidaktische Erwägungen aber vor allem darauf, die Bildungsrelevanz der theologischen Themen näher zu bestimmen: Warum und unter welchen Bedingungen ist es für Lernende wichtig, beispielsweise den Begriff „Schöpfung“ theologisch erschließen zu können – welche konkreten Alltagserfahrungen, -herausforderungen und -kontexte erhellt dieser theologische Begriff? Eine Fachdidaktik, die auf diese Weise nach der Relevanz theologischer Begriffe und Konzepte fragt und diese zur Begründung eines umfassenden Bildungsanspruchs heranzieht, ist unerlässlich für die Ausbildung von Lehrer:innen. Zugleich stellt sie mit ihrem Fokus auf die Relevanz von Theologie wichtige Anfragen an die Fachwissenschaft, die wichtige Impulse aus den fachdidaktischen Reflexionen ziehen kann. An der Dortmunder Professur für Systematische Theologie untersuchen wir daher insbesondere diese reziproke Verschränkung von Fachdidaktik und Fachwissenschaft. Dazu zählen auch verschiedene Lehrangebote zum „Forschenden Lernen“ insbesondere in MAM4.

Zusammen mit der Religionspädagogik und -didaktik entwickeln wir ein Modul zu „Diagnose und Förderung im Religionsunterricht" weiter (BAM 12), welches die Sachlogik theologischen Denkens in eine kompetenzorientierte Bewertung im Fachunterricht vermittelt.

Aktuelle Promotionsprojekte

Lisa-Marie Kaiser, M.Ed.: Sakramente und Kontingenz

 

Hinweise auf die Forschungs-Projekte einzelner Mitarbeiter*innen der Systematischen Theologie finden sich auf deren persönlichen Homepages:

Prof. Dr. Dr. Martin Breul
Dr. habil. Gregor Taxacher
Dr. Simone Horstmann
 

Mensapläne

Anfahrt & Lageplan

Der Campus der Technischen Universität Dortmund liegt in der Nähe des Autobahnkreuzes Dortmund West, wo die Sauerlandlinie A45 den Ruhrschnellweg B1/A40 kreuzt. Die Abfahrt Dortmund-Eichlinghofen auf der A45 führt zum Campus Süd, die Abfahrt Dortmund-Dorstfeld auf der A40 zum Campus-Nord. An beiden Ausfahrten ist die Universität ausgeschildert.

Direkt auf dem Campus Nord befindet sich die S-Bahn-Station „Dortmund Universität“. Von dort fährt die S-Bahn-Linie S1 im 15- oder 30-Minuten-Takt zum Hauptbahnhof Dortmund und in der Gegenrichtung zum Hauptbahnhof Düsseldorf über Bochum, Essen und Duisburg. Außerdem ist die Universität mit den Buslinien 445, 447 und 462 zu erreichen. Eine Fahrplanauskunft findet sich auf der Homepage des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr, außerdem bieten die DSW21 einen interaktiven Liniennetzplan an.

Zu den Wahrzeichen der TU Dortmund gehört die H-Bahn. Linie 1 verkehrt im 10-Minuten-Takt zwischen Dortmund Eichlinghofen und dem Technologiezentrum über Campus Süd und Dortmund Universität S, Linie 2 pendelt im 5-Minuten-Takt zwischen Campus Nord und Campus Süd. Diese Strecke legt sie in zwei Minuten zurück.

Vom Flughafen Dortmund aus gelangt man mit dem AirportExpress innerhalb von gut 20 Minuten zum Dortmunder Hauptbahnhof und von dort mit der S-Bahn zur Universität. Ein größeres Angebot an internationalen Flugverbindungen bietet der etwa 60 Kilometer entfernte Flughafen Düsseldorf, der direkt mit der S-Bahn vom Bahnhof der Universität zu erreichen ist.