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Biblische Theologie

Altes Testament

Das Fach „Altes Testament“ beschäftigt sich mit dem ersten Teil der zwei-einen christlichen Bibel. Die 46 Bücher des Alten Testaments umfassen einen großen Spannungsbogen. Er beginnt mit der Erzählung von der Erschaffung der Welt und der Menschen (Gen 1), geht über die Erwählung Abrahams und Saras als Erzeltern des Gottesvolkes Israel (Gen 12) bis zur Rettung des Volkes Israel aus Ägypten unter der Leitung des Mose und der Gabe der göttlichen Weisung, der Tora. Die Propheten halten mit Büchern die Tora im aktuellen Gedächtnis und sprechen von der Erwartung der Gottesherrschaft. Weisheitliche Bücher ringen um Fragen der Lebensgestaltung und der Gottesbeziehung im Alltag.

Das Alte Testament ist im kulturellen Großraum des Alten Orients über einen Zeitraum vieler Jahrhunderte hinweg entstanden und spiegelt in literarischer Gestalt die Auseinandersetzung Israels mit den Ereignissen und Widerfahrnissen seiner Geschichte, die es als Geschichte Gottes und des Ringens mit Gott erfährt und zur Sprache bringt. In diesem Sinn ist die Bibel ein Buch, das in literarischer Form und großer interner Bandbreite Theo-logie betreibt: Lehre und Nachdenken über Gott und sein Wirken an Israel und Welt.

Die Bibel ist das Buch konkreter, lebendiger (jüdischer und christlicher) Glaubensgemeinschaften. Daher existiert das eine Buch in unterschiedlichen verbindlichen literarischen Gestalten. Das erklärt, warum es verschiedene Gestalten von Bibeln (Hebräische Bibel, Septuaginta, Vulgata ... Lutherbibel, katholische Einheitsübersetzung) gab und gibt. Das beginnende Christentum hat keine neue Bibel verfasst, sondern einen eigenen Bibelteil geformt, den es neben die bereits vorhandene Heilige Schrift Israel gestellt hat. So ist die zwei-eine christliche Bibel entstanden, die aus Altem und Neuem Testament besteht.

Insofern die Bibel seit über zweitausend Jahren die Menschheitsgeschichte geprägt hat, ist sie ein bleibendes Kulturgut und ihre Erforschung über den Horizont der Theologie hinaus von Bedeutung. Die Rezeption der Bibel in Kunst- und Kulturgeschichte, in Politik und Wirtschaftsgeschichte ist ebenso von Bedeutung wie ihre Rolle im interreligiösen und interkulturellen Dialog und ihre Impulse für den Umgang mit Zeit- und Gesellschaftsfragen.

Forschungsschwerpunkte

Der im Buch Josua geschilderte Einzug Israels in das Land der Verheißung wurde rezeptionsgeschichtlich vor allem als „Landnahme“ und kriegerische Eroberung gelesen und teilweise als primär historisches Buch interpretiert. Das Buch gibt jedoch Lesehinweise auf ganz andere Lektürestrategien: Die erzählte Topographie errichtet eine „erzählte Landschaft“, die als Funktion der Tora zu interpretieren ist. Die Figur des Josua fungiert als Rollenmodell exemplarischen Toragehorsams.

Der Psalter ist als Buch überliefert und in dieser Gestalt lesbar und auslegbar. Im reflektierten Nachgehen des Lektüreprozesses werden sinnstiftende Momente aufgegriffen und psalmübergreifend miteinander verknüpft. Entscheidende Bedeutung der Theologie des Psalters kommt der „Hauptperson“, der Figur Davids und ihrer literarischen Gestaltung auf den unterschiedlichen Textebenen und in intertextueller Verknüpfung über den Psalter hinaus zu.

Als eine der spätesten Schriften des Alten Testaments und aufgrund seiner literarisch-anthologischen Gestalt kommt dem Buch eine besondere Rolle als eine späte Summe biblischer Theologie zu. Zugleich stellt es in seiner griechisch überlieferten Gestalt und Prägung eine kulturelle Brücke in die hellenistische Zeit dar und ist zutiefst von der Diaspora-Thematik geprägt. Daher ist das Buch Baruch ein hervorragender Ansatzpunkt für eine auch gegenwartsbezogene interkulturelle Exegese.

Heilige Schriften sind nicht nur literarische Größen, als kanonische Schriften sind sie Bezugstexte von Glaubensgemeinschaften. Hier kommt es im Kontext von Religionsunterricht zu methodisch zu reflektierenden Überschneidungssituationen: Inwiefern können Schülerinnen und Schüler im konfessionellen Religionsunterricht die heiligen Texte, die ihrer eigenen Glaubensgemeinschaft zugeordnet sind, auch als ihre eigenen heiligen Texte rezipieren und sie sich zu eigen machen? Was geschieht bei der Lektüre „fremder Heiliger Texte“? Hier wird eine Vielzahl von Asymmetrien der Lektüreprozesse sichtbar, die hermeneutisch theologisch reflektiert und didaktisch fruchtbar gemacht werden können. Religiöse Heterogenität im Religionsunterricht bring einen Ertrag auch für Fragestellungen der Inklusion fruchtbar. www.projekte.doprofil.tu-dortmund.de/faecher/theologie

Es gibt eine Fülle von „Orten“, an denen Bibel Verwendung findet. Auf welche Weise findet die Aktualisierung biblischer Texte im Kontext der Liturgie statt? Wie werden biblische Texte rezipiert, durch welche Faktoren wird Rezeption erschwer?. Welche Impulse sind von der Bibel her für den kirchlichen Kontext zu gewinnen: Gestaltung der Liturgie, Gemeindestrukturen, Impulse für die Gesellschaft. Lectio Divina ist ein Baustein eines rezeptionsästhetisch reflektierten Bibelumgangs.

Die klassische historisch-kritische Methode der Exegese ist im Dreieck „Autor/in – Text – Leser/in“ vorwiegend produktionsästhetisch ausgerichtet und legt ihren Schwerpunkt auf die Beziehung von Autor und Text. Bei der Untersuchung von Leserlenkungsstrategien biblischer Texte kommen Rezeptionsvorgänge stärker in den Blick. Auf diese Weise führt eine rezeptionsästhetisch orientierte Methodik zu einer Fokussierung auch auf die konkreten Menschen, die die Bibel lesen, und ihre Lektürewege. In dieser Perspektive müssen exegetische Erkenntnisse nicht in einem sekundären Schritt bibeldidaktisch vermittelt und angewandt werden, sondern rücken Exegese und Bibelrezeption in Unterrichtskontexten unter der Überschrift „Lektürestrategien und –prozesse“ in enge Nachbarschaft.

Forschungsmethodik

Die alttestamentliche Exegese verfügt über ein breites Spektrum an Methoden zur Untersuchung von Bibeltexten, die sowohl in der Forschung als auch in der Lehre angewandt und vermittelt werden. Dazu gehören sowohl die Analyseinstrumente der historisch-kritischen Exegese als auch literaturwissenschaftliche Methoden. Rezeptionsästhetik und Phänomenologie können methodisch für die Lektüre biblischer Texte fruchtbar gemacht werden. Als Text und als Ausgangspunkt einer jahrtausendelangen Rezeption ist die Bibel in einen großen Horizont eingebunden. Die Vielzahl der kulturwissenschaftlichen Fragestellungen und Neuorientierungen („linguistic turn“, „spatial turn“, „performative turn“, „translational turn“) sind für die Auslegung biblischer Texte und ihr Kontextualisierung anregend.

Forschungsprojekte

  • Wissenschaftlicher Kommentar zum Buch Josua (HThK-AT)

  • Wissenschaftlicher Kommentar zum Buch Baruch (HThK-AT)

  • Rezeptionsästhetische Bibeldidaktik

Qualifikationsarbeiten

  • Kristin Konrad: Gemeinschaftswerdung Israels im Buch Exodus. Ein Identifikationsangebot für den Religionsunterricht (Religionspädagogik innovativ 34), Stuttgart 2020. (Projekt 2019 abgeschlossen).

  • Julia Zeppenfeld: Jona als Schlüssel zu Bibel und Koran. Intertextuelle Lektüre im katholischen Religionsunterricht (Projekt 2020 abgeschlossen; in Kooperation mit DoProfiL)

  • Philipp Graf: Josua, erster der Propheten.

  • Lara Westermeyer: Der bibellesende Mensch. Von der Phänomenologie zu einer inklusiven Bibeldidaktik.

  • P. Simeon Gloger OSB: Der Lobgesang der drei Jünglinge im Feuerofen (Dan 3).

  • Alina Brinkmann, Kita als Segensort. Die Profilierung von katholischen Kindertageseinrichtungen in Deutschland. (in Kooperation mit Prof. Dr. Sellmann und dem Zentrum für angewandte Pastoralforschung (ZAP)).

  • Muammer Üce: Das Opfer des Abraham und Isaak (Ismael) in Bibel und Koran und seine Rezeption in bilddidaktischen Medien.

Biblische Theologie

Forschung im Fach Neues Testament

Das Fach Neues Testament beschäftigt sich mit den 27 Schriften des Neuen Testaments in ihrem jüdisch-hellenistischen Kontext und ihrer Wirkungsgeschichte. Insbesondere Methoden der Intertextualität stehen im Fokus der Forschung. Diese sind sowohl diachron, als auch synchron ausgerichtet. Im Zentrum der Forschung steht dabei das johanneische Schrifttum (Johannesevangelium, Offenbarung des Johannes). Aufgrund der für die Lehrerausbildung geforderten inhaltlichen Breite und didaktischen Vermittlung sind zudem zahlreiche weitere ntl. Themen (z.B. Wunder, Gleichnisse), die für den RU von Relevanz sind, und besonders ihre digitale Vermittlung Gegenstand der Forschung. Schließlich ist die bibelpastorale Vermittlung ntl. Forschungsergebnisse in third mission activities zu nennen. Alle Projekte, an denen der Lehrstuhl beteiligt ist, sind international ausgerichtet. Regelmäßige Rezensionstätigkeit für Fachzeitschriften und Predigtreihen sowie Gutachtertätigkeit gehören zu den weiteren Tätigkeitsfeldern.

Mensapläne

Anfahrt & Lageplan

Der Campus der Technischen Universität Dortmund liegt in der Nähe des Autobahnkreuzes Dortmund West, wo die Sauerlandlinie A45 den Ruhrschnellweg B1/A40 kreuzt. Die Abfahrt Dortmund-Eichlinghofen auf der A45 führt zum Campus Süd, die Abfahrt Dortmund-Dorstfeld auf der A40 zum Campus-Nord. An beiden Ausfahrten ist die Universität ausgeschildert.

Direkt auf dem Campus Nord befindet sich die S-Bahn-Station „Dortmund Universität“. Von dort fährt die S-Bahn-Linie S1 im 15- oder 30-Minuten-Takt zum Hauptbahnhof Dortmund und in der Gegenrichtung zum Hauptbahnhof Düsseldorf über Bochum, Essen und Duisburg. Außerdem ist die Universität mit den Buslinien 445, 447 und 462 zu erreichen. Eine Fahrplanauskunft findet sich auf der Homepage des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr, außerdem bieten die DSW21 einen interaktiven Liniennetzplan an.

Zu den Wahrzeichen der TU Dortmund gehört die H-Bahn. Linie 1 verkehrt im 10-Minuten-Takt zwischen Dortmund Eichlinghofen und dem Technologiezentrum über Campus Süd und Dortmund Universität S, Linie 2 pendelt im 5-Minuten-Takt zwischen Campus Nord und Campus Süd. Diese Strecke legt sie in zwei Minuten zurück.

Vom Flughafen Dortmund aus gelangt man mit dem AirportExpress innerhalb von gut 20 Minuten zum Dortmunder Hauptbahnhof und von dort mit der S-Bahn zur Universität. Ein größeres Angebot an internationalen Flugverbindungen bietet der etwa 60 Kilometer entfernte Flughafen Düsseldorf, der direkt mit der S-Bahn vom Bahnhof der Universität zu erreichen ist.